Ruhwinkel - geschichtlicher Abriss

Historiker vermuten, dass Ruhwinkel gegen 1150 gleichzeitig mit oder kurz nach der Besiedelung Bornhöveds und dem Bau der dortigen Kirche gegründet wurde. Die erste urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahre 1199: In einer Urkunde bestätigte Papst Innozenz III. dem St. Johanniskloster in Lübeck seine Besitzungen, darunter den Ort Rodenwincle. In der Mitte des 15. Jahrhunderts bestätigte König Christian I. von Dänemark und Herzog von Schleswig und Holstein (Regentschaft von 1448 bis 1481) dem Kloster Segeberg den Besitz an verschiedenen Ländereien und Ortschaften, wiederum einschließlich Rodenwinkel. Im Zeitraum von spätestens 1397 bis ca. 1470 fanden auf dem "Vier" die Ständeversammlungen der holsteinischen Ritterschaft statt. Zwischen 1655 und 1722 wurde ebenfalls auf dem "Vier" eine Glashütte betrieben.

Aufgrund der Reformationsbewegung Luthers wurde 1542 auch in Schleswig-Holstein eine evangelisch-lutherische Kirchenordnung eingeführt. Hierdurch ging der Besitz der Klöster zum größten Teil in die Hand der Obrigkeit über. Das Dorf Ruhwinkel ist vermutlich in diesem Zusammenhang in den Besitz des Gutes Perdoel gelangt. 1805 wurde der im Jahre 1800 neu gegründete Hof Schönböken mit den Dörfern Ruhwinkel und Belau vom Gut Perdoel abgetrennt. Gleichzeitig wurden die Ländereien in diesen Dörfern vom Gut Schönböken aus in Erb- und Zeitpacht an selbstständige Bauern vergeben.

Stetige Wandlungen kennzeichnen die Entwicklung von Ruhwinkel. Besonders eindrucksvoll ist dies erkennbar anhand einzelner Gebäude mit ihrer Wandlung von Strohdach zu Ziegel- oder Pappdach und von Ein- zu Zweistöckigkeit. Dabei hat Ruhwinkel nur in geringem Umfang eine flächenhafte Ausdehnung erfahren. Statt dessen wurden Freiflächen in Ortslage für eine moderate bauliche Entwicklung genutzt. Von der Vielzahl der früher vorhandenen Bauernhöfe werden heute nur noch drei bewirtschaftet.

Ruhwinkel ist namengebender Ort der Gemeinde Ruhwinkel, die im Jahr 1928 durch eine Zusammenlegung mit den zuvor eigenständigen Gemeinden der Güter Bockhorn und Schönböken entstand. Die Gemeindeverwaltung wird heute durch das Amt Bokhorst-Wankendorf wahrgenommen.

Am 31.12.2013 lebten 959 Einwohner auf einer Fläche von ca. 13,13 km².